Anabel Flores Salazar arbeitete als Journalistin für die lokale Zeitung El Sol de Orizaba. Unbequeme Themen – das war ihr Metier, in einem Land, das alles andere als bequem für Journalisten ist.

Sechs Jahre zuvor begann sie als Praktikantin, seitdem arbeitete Anabel Flores Salazar als Journalistin.  Bevor sie zu El Sol de Orizaba kam, schrieb sie für verschiedene andere Blätter als freie Journalistin. Sie berichtete über Autounfälle, Polizeiarbeit und Tötungsdelikte. Oft fand sie dabei Verbindungen zwischen Gewaltverbrechen an jungen Mädchen und den Drogenkartellen der Umgebung. Sie nutzte dabei in ihren Artikeln den Begriff „Femicida“.  Das Wort Femizid oder auch Feminizid wird im Deutschen oft für Gewalt an Mädchen und Frauen mit Todesfolge verwendet. Bis zu ihrem Tod berichtete die Journalistin immer über mysteriöse Todesfälle von Teenagerinnen in Veracruz.

Man geht davon aus, dass ihr Tod in Verbindung mit der Drogenkriminalität vor Ort stand. Am selben Tag wurden noch zwei weitere Leichen gefunden. Beide standen in Beziehung zu einer Geschichte, an der Anabel Flores Salazar vor ihrem Tod recherchierte, berichtete die US-amerikanische Seite The Daily Beast.

Am selben Tag wurden noch zwei weitere Leichen gefunden.

Die Polizei ermittelte in alle Richtungen und untersuchte eventuelle Zusammenhänge. Die Polizei glaubte, dass sie Kontakt zu einem Gangsterboss eines Drogenkartells hatte. Doch Anabel Flores Salazar saß lediglich mit ihrer Familie im selben Restaurant, als dieser 2014 festgenommen wurde. Ihre Tante erklärte, Anabel Flores Salazar hätte keinen Kontakt zu diesem Mann gehabt.

Anabel Flores Salazar schrieb über Themen, die viele Journalisten aus Mexiko meiden und die sich aus Angst und Schutz eine Selbstzensur auferlegen. Die ostmexikanische Provinz Veracruz aus der Anabel Flores Salazar stammte, gilt nach Aussage des ROG-Geschäftsführers Christian Mihr für Journalisten als der „gefährlichste Ort in der westlichen Hemisphäre“.  Allein in den vergangenen sechs Jahren wurden in dem mexikanischen Bundestaat 17 Journalisten umgebracht.

Bild: Ronaldo Schemidt/ AFP/ Getty Images – Gedenken an die toten Journalisten vor dem Staatsbüro Veracruz`s. Mexico City 11. Februar.

Die Journalisten leben in einem repressiven Staat mit einem korrupten Justizsystem, umgeben von gewalttätigen Drogenhändlern. Vor allem die geografische Lage von Veracruz ist dafür verantwortlich: Der Bundestaat liegt zwischen der Hauptstadt Mexiko-Stadt und dem Golf von Mexiko und verfügt über den wichtigsten Hafen des Landes. Er ist also Umschlagplatz für das organisierte Verbrechen, besonders der Drogenhandel floriert. Staatliche Schutzprogramme funktionieren kaum, oft arbeiten Behörden und organsierte Gewalt zusammen. Journalisten und Menschenrechtsaktivisten geraten immer wieder ins Kreuzfeuer.

Aktuell steht Mexiko auf Platz 147 der Rangliste der Pressefreiheit – von 180 Plätzen. Auch in diesem Jahr sind in Mexiko schon drei Journalisten getötet worden, ihr Tod stand nachweislich im direkten Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit.

2016 wurden zehn Menschen umgebracht, weil sie ihrer Arbeit nachgegangen waren.

Anabel Flores Salazar hinterließ ihren Ehemann, ihr zwei Wochen altes Baby und ihren vierjährigen Sohn. Auf ihrer Facebookseite, die noch aktiv ist, steht ein spanisches Zitat: „Als ich aufgeben wollte, bist du in mein Leben getreten.“ Im Hintergrund sieht man ein Pärchen im Gegenlicht.

Von Melanie Reinsch Redakteurin der DuMont-Hauptstadtredaktion